Bastelbude braucht Beteiligung

Heute schreibe ich mal in beinahe eigener Sache mit einem Anliegen, bei dem mir meine lieben Leser und Leserinnen vielleicht helfen können. O:-)

Wir haben 2012 in den Verein Netz39 e.V. gegründet. Netz39 ist der erste sogenannte Hackerspace in Magdeburg. Für alle, die mit dem Begriff nichts anfangen können: es handelt sich um einen Computerclub, eine Elektronikwerkstatt, einen Workshopraum, einen Bastelort, einen Tüftlerverein und das alles in einem. Wir sind angetreten für uns und vor allem auch andere einen Platz zu schaffen, wo wir uns über unser Hobby mit den Bits, den Bytes und den Lötkolben austauschen können, wo wir uns Werkzeug teilen und unser Wissen vermehren. Letzteres wollen wir auch nach außen tragen und bereiten beispielsweise gerade einen Mikrocontrollerworkshop für Anfänger vor.

Unsere Vereinsräume in der Leibnizstraße 32 in Magdeburg bieten ausreichend Platz für das Ausleben der eigenen Kreativität mit allerlei stromdurchflossenen blinkenden, rechnenden oder Schall erzeugenden Dingen. Jeder ist herzlich willkommen sich das anzusehen, aber vor allem auch mitzumachen. Wir sind auf der Suche nach neuen Mitgliedern, die Spaß am Gerät haben und diesen mit uns teilen wollen. Auch stille Unterstützer und Sponsoren werden mit offenen Armen empfangen.

Wenn das interessant für Euch ist: kommt vorbei. Wir schreiben bei Twitter wann offen ist. Wenn Ihr interessierte Menschen kennt: schickt sie vorbei. Wenn Ihr was mit Medien macht, schreibt über uns, filmt uns, macht Radio oder so. Wir freuen uns über jedwede Unterstützung. :-)

Sonnig schiefes Siesta-Schlittern

Kalt war es in Magdeburg, wochenlang. Währenddessen fror die Alte Elbe zu. Das allein ist noch nicht allzu ungewöhnlich, sah man es doch auch in den letzten beiden Wintern. Dieses Mal senkte sich nach anfänglichem Zufrieren jedoch noch mal der Wasserspiegel und jetzt wo die Temperaturen über den Gefrierpunkt geklettert sind, gibt es ein wundersames Schauspiel zu beobachten.

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Gestern hatte ich keine Kamera dabei, aber heute – und so machte ich in der Mittagspause noch einen kleinen Umweg. Im Uferbereich, zwischen den ganzen mit Gestrüpp vom letzten Hochwasser behangenen Bäumen, sieht man dicke Eisschollen wegknacken, dort sind Senken im Eis, tiefe Löcher unter dem Eis aber ohne Wasser drunter und allerlei in der Sonne blinkende sonderbare Eisformationen.

Das spannenste ist aber, dass hier kein glatter See zugefroren ist, wo man mal auf gerader Fläche von links nach rechts schlittern kann, sondern hier kann man sich zwischen winzigen Hügeln und Tälern die Beine brechen. Die Oberflächen sind einerseits so spiegelglatt, wie man das von Eis gewohnt ist, aber andererseits uneben wie Stranddünen. Das kleinste Gefälle reicht aus um in eine Senke reinzurutschen und beim Versuch wieder rauszukommen denkbar tollpatschig auszusehen. Ein großartiger Spaß!1

  1. Liebe Kinder, bitte probiert das nicht zu Hause! []

Kühnes Kletterhallenkollektiv

Seit einigen Jahren gehen in der Magdeburger Kletterszene immer mal wieder Gerüchte um, jemand würde eine Kletterhalle bauen wollen. Da waren interessante Ideen dabei oder coole Locations, aber es waren nie mehr als Gerüchte und bis auf den Großen Angerfelsen im Elbauenpark sahen die Klettermöglichkeiten direkt in Magdeburg stets dürftig aus, speziell im Winter.

In diesem Jahr nun tauchten gleich zwei Projekte am Horizont auf, die wesentlich konkreter aussehen. Zunächst machte im April ein Link auf das Projekt Solid Rock die Runde. Aus der Szene verlautet, dass die Betreiber wohl Kampfsportler sind und Klettern als Trainingsergänzung für sich entdeckt haben. Die Halle selbst soll gerüchteweise auf dem Gelände der alten Diamantbrauerei sein und einen Kletter- und Boulderbereich beinhalten: 600m² und 150m². Viel mehr ist bisher nicht rauszukriegen, zumal die Jungs unter den Kletterern in Magdeburg reichlich unbekannt sind.

Das andere Projekt wurde Anfang Mai das erste Mal der interessierten Öffentlichkeit präsentiert, auf einer Infoveranstaltung in der Uni-Sporthalle. Die Besucher kamen zahlreich und staunten nicht schlecht, als Uta, Micha, Erti und Jens das Projekt »Kletterwerk« vorstellten. In Buckau, hinter dem Gelände der Abtshofbrauerei, haben diese ein Gelände gekauft mit alten Werkshallen, die sich ideal für den Ausbau zur Kletterhalle zu eignen scheinen.1 Die Pläne sind ehrgeizig, die aufgeworfenen Stichworte ambitioniert. Von einem Landesleistungszentrum war zu hören, nationalen und internationalen Wettkämpfen, Zusammenarbeit mit dem Sportzentrum und den Sportwissenschaftlern der Uni, dem USC, dem DAV. Daneben soll die Halle für Schulungen und Firmenevents genutzt werden, kein Wunder eigentlich, wenn man weiß, womit Uta und Erti bisher so ihr Geld verdienen. ;)

Aprospos Geld: ganz billig wird der Spaß nicht und die Finanzierung ist bei alldem wohl der Knackpunkt. Ganz unterschiedliche Töpfe will man anzapfen: öffentliche Förderung, Investorenkapital, Kredite, Erträge usw. – durchgerechnet wird das alles gerade und im Herbst soll es dann in die Antrags- und Genehmigungsphase gehen. Ziel ist die Landesmeisterschaft 2013 in Magdeburg auszurichten.

Auch die Zahlen zu Kletterfläche, Routen, maximaler Höhe lassen einem die Kinnlade runterklappen. Von nicht weniger als 1800m² mit über 180 Kletterrouten in verschiedenen Bereichen und einem zusätzlich 370m² Boulderbereich in der ersten Ausbaustufe war die Rede und das ist nur die erste Ausbaustufe. Bis dahin ist einiges zu tun. Ziel der Veranstaltung war es daher auch bei der lokalen Community um Unterstützung zu werben, um diese von vornherein auch in der Planung zu berücksichtigen. Geboten und gefragt ist da alles mögliche: Mitgestaltungsmöglichkeit, Kontakte und Beziehungen, Öffentlichkeitsarbeit, Feedback, tatkräftig helfende Hände und natürlich auch Geld.

Mir persönlich ist dieser Ansatz sehr sympatisch. Gerade wenn man mit USC und DAV eng zusamenarbeiten will, ist die Einbindung der lokalen Kletterszene wichtig. Dem Betreiberteam kann man nur die Daumen drücken, gerade mit der Konkurrenz der zweiten Kletterhalle wird das Projekt nicht einfach zu stemmen sein.

Interessierte sollten sich die Webseite vom Kletterwerk anschauen, dort gibt es auch ein Blog, wo wohl ab und zu mal Updates zum aktuellen Stand zu finden sein werden, schaut einfach mal auf werk4-md.de vorbei!

  1. Die Bausubstanz wurde/wird geprüft und ist wohl okay. []

Diabolisches Dekor?

Ein Sonntag im Mai – wie auch bereits im letzten Jahr machte ich mich am frühen Nachmittag auf zum Orgelspaziergang, einer ganz wunderbaren Veranstaltung. Auf drei Orgeln der Stadt werden zu drei aufeinanderfolgenden Stunden Konzerte gespielt und der Eintritt ist frei. Ganz konkret spielte in diesem Jahr um 14:00 Uhr im Kloster Unser Lieben Frauen Arvid Gast einige Stücke von Bach. Um 15:00 Uhr erklangen in der Kathedrale St. Sebastian etwas jüngere Stücke mit Matthias Mück an der Orgel. Während des Konzertes fiel mein Blick auf die beiden Beichtstühle an den Seiten der Kirche:

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6 × 6 × 6 Felder … was mag sich der Tischlermeister dabei wohl gedacht haben?1 Das Muster an sich ist zusätzlich interessant. Handelt es sich um ein wahlloses Ornament oder ist binär eine Botschaft kodiert in 27 Byte?

Im abschließenden Konzert im Dom zu den Klängen des ganz wunderbaren, modernen Werks »The Planets« von Gustav Holst mit Barry Jordan an der Orgel hatte ich derlei Fragen jedoch längst vergessen und lauschte Musik, Gewitter und Regen. :-)

  1. Die grünen Rahmen sind übrigens nur zur Veranschaulichung und nicht Teil des Dekors! []

Brauchen Bürger Bahnhofstunnel?

Die meisten Magdeburger werden mitbekommen haben, dass die Brücken der Bahn über die Ernst-Reuter-Allee erneuert werden sollen und dass seitens der Stadt geplant ist, den dort drunter fließenden Verkehr zukünftig auf zwei Ebenen übereinander vom Damaschkeplatz am City Carré vorbei nach Osten zu führen. Über den Bahnhofstunnel konnte man lange in der Zeitung lesen und auch ohne dieses Medium dürfte die Diskussion in den letzten Jahren an kaum einem Magdeburger vorbeigegangen sein. Es gab vor einiger Zeit schon einen Stadtratsbeschluss1 zum Bau des Tunnels.

Umso überraschter war ich über die Ankündigung zu einer Diskussionsrunde zum Thema, die am vergangenen Dienstag im City Carré stattfand. Aber wie man in Stuttgart sehr gut sehen konnte, sind auch nach gefassten Beschlüssen nicht alle Messen gesungen und was genau da jetzt der aktuelle Stand ist, interessierte mich und so fand ich mich dort ein.

Zu Beginn der Veranstaltung wurde zunächst ein Video mit einer Computeranimation des Projekts gezeigt. Der Stand dort entsprach meinem letzten, der zugegeben schon etwas angegraut war. Von West nach Ost haben die Autos im Tunnel eine Spur und können rechts ins Parkhaus abbiegen. In der Gegenrichtung stadtauswärts sind es zwei Fahrspuren. Nettes Detail am Rande: in der Vision der Planer halten auch wieder ICE in Magdeburg.

Nach der Begrüßung durch die Moderatorin trug der Vorsitzende des Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Verkehr (Olaf Czogalla von der SPD) in einem fünfzehnminütigen Vortrag die Argumente der Befürworter zusammen. Dass dort wegen der Sanierung der Bahnbrücken bauliche Maßnahmen notwendig sind, streiten auch die Gegner nicht ab, die Frage, um die sich alles dreht ist also das »wie«? Angeführt wurden das immernoch maßgebende Innenstadtverkehrskonzept aus den späten Neunziger Jahren. Besondere Betonung erfuhr die durch den Tunnel mögliche Entflechtung der Verkehrsströme der verschiedenen Verkehrsteilnehmer2 und die dadurch erheblich steigende Verkehrssicherheit. Eine Verlängerung des Tunnels über die Kreuzung Ernst-Reuter-Allee/Otto-von-Guericke-Straße hinweg war wohl mal überlegt aber nicht weiter verfolgt worden, wohl aus Kostengründen, auch wenn dies die für die Leistungsfähigkeit des Verkehrsflusses maßgebliche Schlüsselstelle (eben diese Kreuzung) entlasten würde. Dass zum Ende hin der Tunnel am Uniplatz als gelungenes Beispiel für ein innerstädtisches Verkehrsprojekt angeführt wurde, erschien mir ob der Vergleichbarkeit und Zielstellung etwas seltsam.

Danach hatte als Tunnelgegner Jürgen Canehl von den Grünen das Wort, der in ebenfalls etwa fünfzehn Minuten die Gegenargumente darlegte. Auch hier wurde das bestehende Innenstadtverkehrskonzept angesprochen, mit dem Hinweis, dass dort explizit drin stünde, dass Verkehr aus der Innenstadt heraus gehalten werden soll. Im Hinblick auf die diskutierte Umweltzone erschien mir das an dieser Stelle plausibler als beim Tunnelbefürworter zuvor. Die Kritikpunkte waren rein von der Anzahl her dann etwas mehr, als da wären das Problem an der östlichen Tunnelausfahrt am Berg anfahren zu müssen, Gutachten, die eine Vergrößerung des Staus voraussagen, Umsatzrückgänge der ansässigen Geschäftsleute während und nach der Bauzeit, fehlende Ausfahrt/Abbiegemöglichkeit aus dem Parkhaus Richtung Stadtfeld/Ring, Wegfall der Aufzüge von der Straßenebene zu den Bahnsteigen, noch enger werdende Radwege auf der Ernst-Reuter-Allee in Höhe City-Carré, entfallende Parkplätze am Kölner Platz, unzureichende Baugrunduntersuchungen, unberücksichtigte Grundwasserströme und schließlich nicht geprüfte Alternativkonzepte. Speziell beim letzten Punkt stellten sich mir ob des geplanten Investitionsvolumens dann doch mal die Nackenhaare auf, wobei ich hier natürlich auch keine Möglichkeit hatte den Punkt nachzuprüfen.

Nach einer zehnminütigen Kabaretteinlage von Lars Johansen begaben sich dann die fünf Kandidaten zur Landtagswahl des Wahlkreises Magdeburg Mitte auf’s Podium. Inhaltlich passte das nicht so super zu einem kommunalpolitischen Thema, aber ich wollte zumindest so lange bleiben, bis jeder der Kandidaten mal etwas gesagt hatte. Den Anfang macht der Kandidat der CDU. Nach einem kurzen »Was gibt es dagegen einzubringen? Das ist doch schon beschlossen.« war er damit durch und bei mir auch, keine weiteren Fragen. Immerhin erwähnte er noch ein mir bis dato unbekanntes Eisenbahnkreuzungsgesetz3 und skizzierte kurz, inwieweit Landtag und Landesregierung Einfluss auf das Projekt haben.

Der Kandidat der Linken bemängelte in der Folge die fehlende Bürgerbeteilung und führte hierfür den Bürgerentscheid zur Ulrichskirche ins Feld. Auch er bemängelte die fehlenden Alternativen oder die Prüfung derselben, wiederholte ansonsten aber nur bereits vorgebrachte Argumente. Sören Herbst von den Grünen erwähnte danach, dass es einen Antrag auf Bürgerentscheid der Grünen gegeben hatte und hatte auch ein paar Seitenhiebe für die Herren Dähre und Trümper von der SPD in petto. Immerhin erläuterte er, dass es wegen wohl bereits bestehender Verträge schwierig sei, jetzt in dem Projekt noch einen Schritt zurück zu machen, erntete aber als erster Kandidat Beifalll vom Publikum.

Als nächster betonte Sven Haller von der FDP dann, dass der Verkehr während der Bauzeit nicht komplett gesperrt wäre, was so aber auch bereits in den Ausführungen im ersten Vortrag klar wurde. Nach einer Beschwerde in Richtung Tunnelgegner, warum sie denn keine Stimmen für einen Bürgerentscheid gesammelt hätten, verfing er sich aber in fahrigen Ausführungen, was die Diskussion denn überhaupt solle und dass er lieber über Themen zur Landtagswahl diskutieren würde. Daraufhin erhielt Herr Wendenkampf aus dem Publikum das Wort, der die Ausführungen Hallers als »Frechheit« bezeichnete. Von ihm kamen dann tatsächlich auch noch ein paar interessante Punkte, unter anderem die Frage nach der Förderung durch die EU. Sollte das Projekt bereits offiziell gestartet worden sein, würde man keine Fördermittel mehr bekommen können, so Wendenkampf. Seien aber noch keine Verträge unterzeichnet, gäbe es auch noch den Weg zurück. Für derartige juristische Prüfungen würden wohl Spenden durch den BUND gesammelt.

Kurz bevor ich ging, dann noch das Argument, dass die durchführenden Bauunternehmen für ein solches Großprojekt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht aus Sachsen-Anhalt kommen werden, dann verließ ich die Veranstaltung Richtung Sport. Falls noch jemand da war, hätte mich nochmal der Verlauf der anschließenden Diskussion interessiert. Fazit für mich: einige offene Fragen, darunter warum Alternativen nicht geprüft wurden und ob es jetzt noch ein Zurück aus dem Tunnelprojekt geben könnte? Der darüber hinaus entstandene Eindruck von den Parteienvertretern hat allerdings nur meine bereits bestehende Meinung verfestigt.

  1. mit einer nicht ganz sauberen ersten Abstimmung und einer knappen Mehrheit im zweiten Versuch []
  2. Fußgänger, Radfahrer, Straßenbahn sowie PKW/LKW []
  3. Weiß da jemand was drüber? Sonst muss ich das nochmal recherchieren. []